Trade-offs und Selbstführung
Ein „Trade-off“ bezeichnet im Deutschen einen Kompromiss, Zielkonflikt oder eine Abwägung zwischen zwei gegensätzlichen Zielen. Dabei wird ein Aspekt (z.B. Qualität) nur auf Kosten eines anderen (z.B. Preis) verbessert. Es handelt sich um eine Austauschbeziehung, bei der man sich zwischen Optionen entscheiden muss, die nicht gleichzeitig maximiert werden können.
Selbstführung ist die Praxis, das eigene Denken, Fühlen und Handeln gezielt auf die persönlichen Ziele auszurichten. Das bedeutet zu verstehen, wer du bist, deine gewünschten Erfahrungen und Ziele zu erkennen und dich bewusst in diese Richtung zu bewegen. Selbstführung dreht sich zu einem großen Teil darum, wie du Trade-offs zwischen inneren, konkurrierenden Motiven managst – wie zum Beispiel Komfort vs. Wachstum, kurzfristige Stimmung vs. langfristige Identität oder Sicherheit vs. Herausforderung.
Wenn du beginnst, dich selbst und dein Leben zu führen, musst du dir deiner Werte, Ziele und Wünsche bewusst werden. Ein Leben, das vollständig mit einer ganzheitlichen Selbstführung im Einklang steht, wird dich zu deinen Zielen führen und jede Handlung, jede Person und jeden Moment sichtbar werden lassen, die nicht mit deiner Vision übereinstimmen – und das wird mit der Zeit unerträglich werden.
Der Trade-off, dem du mit großer Wahrscheinlichkeit begegnen wirst, ist der, wenn du Stück für Stück zu deinem wahren Selbst wirst und beginnen musst alte Überzeugungen, alte Muster, alte Systeme und manchmal auch Menschen loszulassen. Du wirst dich ab einem Punkt zwischen deinem wahren Ich und alten, nicht mehr passenden Strukturen entscheiden müssen. Um dich selbst erfolgreich führen zu können, wirst du deine Komfortzone verlassen müssen.
Selbstführung kann nicht auf einem Wertesystem funktionieren, das nicht wirklich deines ist. Zu erkennen, dass du vielleicht bestimmte Denkweisen von anderen übernommen hast – und diese dann loszulassen – ist schwierig und herausfordernd. Aber die Belohnung ist meist ein erfüllteres und aufblühendes Leben.
Was tun in Momenten, in denen du das Gefühl hast, nicht mehr weitermachen zu können?
Denke über die Opportunitätskosten nach, die etwas verursacht. Wenn du an dieser alten Version von dir festhältst – an der Version, die andere gerne sehen wollen – was kostet es dich, so zu bleiben? Sehr wahrscheinlich kostet es dich viel mehr, als an dich selbst zu glauben und loszugehen.
Der erste Impuls ist oft, die Herausforderung nicht anzunehmen, sondern in der Komfortzone zu bleiben. Du musst verstehen, dass dieser Frieden und Komfort möglicherweise gar nicht dein echter innerer Frieden ist. Wenn du immer wieder an all das denkst, was du gerne erleben würdest, wohin du reisen möchtest oder welche Träume du hast, und diese Dinge sich nicht in deinem Alltag widerspiegeln, dann liegt dein Frieden vielleicht außerhalb deiner Komfortzone, auch wenn das schwer vorstellbar ist.
Was sind die nächsten Schritte?
Werde dir deiner selbst bewusst. Beginne damit, über deinen Tag zu reflektieren. Welche Wünsche hast du? Wofür bist du dankbar? Was waren schöne Momente am Tag oder in der Woche? Welche Menschen haben dir Energie gegeben und welche haben sie dir genommen – und warum?
Was sind deine Sehnsüchte? Welche Orte möchtest du besuchen? Welche Erfahrungen möchtest du machen?
Schreibe alles auf und vergleiche es dann mit deinem aktuellen Status quo: Wo stehst du gerade?
Diese Übung kann herausfordernd sein, und ich empfehle dir, vorsichtig zu sein, denn am Anfang kann es überwältigend wirken – besonders dann, wenn die Lücke zwischen deinem gewünschten Selbst und deinem aktuellen Selbst groß ist. Eine stabile Dankbarkeitspraxis sowie Menschen, denen du vertraust und mit denen du sprechen kannst, sind dabei essenziell.
Wie kommst du von deinem aktuellen Selbst zu deinem gewünschten Selbst?
Eine große Rolle spielen dabei die aristotelischen Tugenden.
Stell dir deine Wünsche wie ein persönliches GPS vor. Damit dieses System funktioniert, braucht es Informationen. Ein Teil davon kommt aus deiner eigenen Selbstführungspraxis. Doch damit dein „GPS-System“ diese Werkzeuge versteht, braucht es einen Übersetzer – und dieser Übersetzer sind die aristotelischen Tugenden.
Das höchste Ziel nach Aristoteles ist ein erfülltes und glückseliges Leben – er nennt diesen Zustand Eudaimonia. Die Tugenden sind seine Art zu erklären, wie du diesen Zustand erreichen kannst. Er beschreibt die Tugenden als die Mitte zwischen zwei Extremen. Diese Mitte ist die angemessene Handlung – und was angemessen ist, kann je nach persönlichen Umständen und Erfahrungen variieren.
Ein Leben, das von diesen Tugenden, von Selbstführung und Selbstbewusstsein geleitet wird, führt letztlich zu einem Leben im Einklang mit deinen eigenen Werten und Wünschen.
Angesichts all dessen, was gerade passiert, ist es vielleicht eine große Chance, alles loszulassen, was dir nicht mehr dient oder nicht mehr zu dir passt – und endlich dein Leben selbst in die Hand zu nehmen und das Leben zu führen, von dem du immer geträumt hast.